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DAI-Dendrochronologie

Deutsches Archäologisches Institut - Referat Naturwissenschaften - Labor für Dendrochronologie

Contact

Dr. Karl-Uwe Heußner
dendro@dainst.de
P: +49 (0) 30 187711-349
Deutsches Archäologisches Institut
Referat Naturwissenschaften - Labor für Dendrochronologie
Im Dol 2-6
14195 Berlin

Competences

Das individuelle Baumwachstum ermöglicht es für jede Baumart, Zeit und Region eigene
Wachstumsreihen zu erstellen. Dazu benutzen wir die Jahrringbreiten, welche bedingt durch Wetter, Klima und Standort von Jahr zu Jahr unterschiedlich breit ausfallen. Durch die Vergleichbarkeit dieser Wachstumsmuster können Holzproben mit wenigsten etwa 50 Ringen im Idealfall jahrgenau datieren. Hierfür werden lange durchgehende Vergleichsreihen (Chronologien) benötigt, welche nur durch entsprechend hohe Probenanzahlen aufgebaut werden können.
Die längsten Vergleichsreihen liegen für Ostdeutschland vor und reichen für Eiche zur Zeit lückenlos bis 7229 BC. , für Kiefer und Birke bestehen Chronologiestücke für davor liegende Zeiten. Sehr viel Material betrifft mittelalterliche und frühneuzeitliche Komplexe sowie für Handelsholz im Nord- und Ostseeraum. Neben Eiche liegen auch für Kiefer, Tanne, Fichte, Buche, Esche, Erle und einige weitere Arten gut ausgebaute Chronologien mit mehr als  1000 Jahren vor. Insgesamt beruht die Arbeit auf mehr als 100.000 untersuchten Vergleichsproben aus aller Welt. Im Rahmen von Projekten werden Hölzer aus allen Aktivitätsfeldern des DAI mit dem Ziel ihrer Datierung untersucht. Ergänzend werden auch Probenentnahmen für Wigglematching (C-14 Datierung) an Hölzern durchgeführt.
Bei Bedarf können die Messung an Objekten selbst, Arbeit nach Fotografien, Röntgenbildern und Computertomografien durchgeführt werden und damit auch Kunst- und Kulturgut zerstörungsfrei untersucht werden.
Die Werte der Jahrringbreitenanalyse werden im Rahmen von Kooperationen in Klima- und Umweltrekonstruktionen eingebracht und sind wichtige Basis für unser Verständnis des Klimas.

Dendrolabor

Das Dendrolabor des Deutschen Archäologischen Institutes ist Bestandteil des Referates Naturwissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf der Datierung von archäologischen Hölzern. Als Proben kommen Holzscheiben, Bohrkerne aus speziellen Hohlbohren und alle möglichen Formen mit möglichst vielen Jahrringen in Betracht.  Nasshölzer werden angeschnitten,  trockene Probe angeschliffen. Verkohlte Hölzer nach Zustand präpariert.  Die Analyse der Jahrringe findet in separaten Laborräumen statt.
Die frei präparierten Messtrecken werden standardmäßig unter einem Stereomikroskop  bei 10facher Vergrößerung ausgemessen.
Die Messapparatur besteht aus einem Messtisch, einer Lichtquelle, dem Auflichtmikroskop und einem Computer. Die Jahrringbreitenmessung auf  erfolgt auf 1/100mm. Bei sehr feinen Strukturen werden  1/1000mm eingesetzt. Die Auswertung erfolgt weitgehend mit der Standardsoftware TSAPX (F. Rinn, Heidelberg). Für Detailuntersuchungen steht ein Raster-Elektronen-Mikroskop zur Verfügung.

 

Forschungsprojekte

  • Montanprojekt zum mittelalterlichen Begbau in Sachsen
  • Forschungen und Chronologieaufbau langer Chronologien im östl. Deutschland
  • Mitarbeit in vielen Projekten sowohl zur Datierung selbst als auch durch Bereitstellung von für    Untersuchungen im größeren Rahmen

Publikationen

Sheppard, P.R., Tarasov, P.E., Graumlich, L.J., Heussner, K.-U., Wagner, M., Österle, H., Thompson, L.G. 2004: Annual precipitation since 515 BC reconstructed from living and fossil Juniper growth of northeastern Qinghai Province, China. In: Climate Dynamics, S. 869-881.

Westphal, Th. und Heußner, K.-U. 2014: Holz am Berg – Holz im Bergwerk. In: Arbeits- und Forschungsberichte zur  sächsischen Bodendenkmalpflege. Beiheft 29. S. 243-256.

Büntgen U., Tegel W., Nicolussi K., McCormick M., Frank D., Trouet V., Kaplan J.-O., Herzig, F., Heussner K.-U., Wanner, H., Luterbacher J., Esper J. (2011): European climate variability and human susceptibility over the past 2500 years. Science 331, S. 578-582.