Asset Publisher
Back

korallenlabor

Korallen-Labor

Im Korallen-Labor der FU Berlin Palaeontologie werden Korallenkerne aus den Tropen und dem Mittelmeer zur geochemischen Analysen gebohrt und aufbereitet. Wir benutzen ein Unterwasserbohrsystem angetrieben durch Druckluft aus Tauchflaschen welches eine 30cm lange und ca. 4 cm im Durchmesser Bohrkrone mit Diamanten antreibt. Wir benutzen bis zu 1m lange Metallstangen um bis zu 4.5m lange Kerne aus massiven Korallen zu bohren. 

Die Aufbereitung der Kerne beinhaltet das Sägen der Kerne zu 0.7mm dünnen Scheiben, deren chemische Reinigung um organische Kontaminationen zu entfernen, sowie die hochauflösende (0.5-2mm) Beprobung der Korallen mit einem speziell gebauten Zahnarztbohrer. Das gewonnene Pulver aus den Korallen wird spaeter am Leibniz Institut des Museums fuer Naturkunde (Prof. Struck) auf seine isotopische Zusammensetzung untersucht. Zudem werden am selben Pulver noch die Spurenelemente untersucht welche Rückschlüsse auf Umweltveränderungen ermöglichen sowie die Rekonstruktion der Oberflaechentemperaturen, des Salzgehaltes der tropischen Ozeane und klimatologischer Veränderungen.  Im Korallen-Labor werden ausserdem Röntgenbilder und UV-Fluorescenz Bilder von Korallenkernen sclerochronologisch bearbeitet um die jährlichen Wachtumsbaender auszumessen und zudem noch die Dichte des Skelettes und die Kalzifikationsrate zu bestimmen. Letzteres spielt eine grosse Rolle um die Auswirkungen der steigenden Meerestemperaturen und des sinkenden pH Gehaltes im Meer auf das Wachstum der Korallen zu ermitteln. Die UV Bilder sind geeignet um organische Einschlüsse im Skelett der Korallen sichtbar zu machen und somit Hinweise auf sedimentären Flusseintrag durch anthropogene Entwaldung und Bodenerosion zu erlangen. 

Die Korallen gelten als Schlüsselarchiv der marinen Palaeoklimatologie in den Tropen. Korallen eignen sich auch um das Klima des Holozaens und anderer Warmzeiten in den vergangenen 30 Millionen Jahren zu untersuchen. Zudem sind Korallen auch Baumaterialien in archäologischen Fundorten wodurch eine Verknüpfung von Klimavariabilität und menschlichem Handeln möglich sein kann.