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Archäometrie - eine Querschnittswissenschaft stellt sich vor

Foto: K.-U. Heußner, Deutsches Archäologisches Institut

An der Schnittstelle zwischen Natur- und Geisteswissenschaften gilt die Archäometrie als wichtiges Teilgebiet der kulturgeschichtlichen Forschung, insbesondere in der Archäologie, Kunstgeschichte und Denkmalpflege. Auf Seiten der Naturwissenschaften umfasst sie Methoden und Konzepte u.a. aus der Biologie, Chemie, Physik, den Geowissenschaften, der Medizin und der Werkstoffkunde.

Archäometrie - eine Querschnittswissenschaft

Die Archäometrie (von griechisch ἀρχή/arché = Anfang und μέτρον/métron = Maß) befasst sich mit der Entwicklung und Anwendung naturwissenschaftlicher Methoden und Verfahren, um kulturhistorische Fragestellungen und Probleme zu lösen. Damit ist sie ein weites interdisziplinäres, bisweilen sogar transdisziplinäres Forschungsgebiet an der Schnittstelle zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Zu den wichtigsten Betätigungsfeldern gehören Materialanalysen, Datierungen und Prospektionen. Methoden und Konzepte nahezu aller naturwissenschaftlichen Fächer sind in der Archäometrie vereinigt und finden je nach Fragestellung ihre Anwendung. Allgemein lassen sich vier Bereiche archäometrischer Forschungen unterscheiden.

Anorganischer Zweig

Hier werden Materialien im Hinblick auf ihre anorganische Zusammensetzung untersucht. Ein typisches Anwendungsgebiet ist die Frage, in welchen geographischen Regionen und zu welchen Zeiten bestimmte Werkmaterialien wie Feuerstein, Kupfer, Bronze, Gold, Silber, Eisen, Mörtel, Keramik u.a. gewonnen und verarbeitet wurden. Auch die Entwicklung von spezifischen Herstellungs- und Verarbeitungstechniken ist Gegenstand dieser Forschung.

Chemische und physikalische Methoden geben zum Beispiel zahlreiche Informationen zu den Keramikresten aus archäologischen Ausgrabungen, beginnend mit der Herkunft des Tons, über Herstellungstechnik und Spuren aus der Zeit des Gebrauchs der einstigen Gefäße bis zu Veränderungen während der Lagerung im Boden und nach der Entdeckung.

 

Bild: M. Radtke, Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung

Organischer Zweig

Mit Hilfe der Archäozoologie können aus organischen Überresten, wie Knochen- und Zahnfunden, Rückschlüsse auf die tierische Nahrung früherer Bevölkerungen gezogen werden.Die Archäobotaniker untersuchen pflanzliche Überreste wie Pollen aus Ablagerungen in feuchten Sedimenten, Phytolithe oder unverkohlte und verkohlte Samen, Früchte und Holz. Aus diesen Untersuchungen ergeben sich wichtige Hinweise auf vegetationsgeschichtliche Veränderungen oder die Art der Landnutzung bzw. die Verwendung von Pflanzen für die Ernährung. Der naturwissenschaftliche Ansatz der Prähistorischen Anthropologie ermöglicht direkte Aussagen zu Demographie, Migration und Lebensweise damaliger Bevölkerungen, aber auch zur Krankheitsbelastung einzelner Menschen oder ganzer Populationen. Isotopenanalysen sowie aDNA-Untersuchungen an Tier- und Menschenresten erweitern das Spektrum möglicher Aussagen beträchtlich.

 

Bild: Anthropologie-Büro Dr. rer. nat. Bettina Jungklaus

Naturwissenschaftliche Datierungsmethoden

Zur Festlegung von absoluten numerischen Zeitangaben eignen sich naturwissenschaftliche Methoden wie Radiokohlenstoffdatierung, Dendrochronologie und Thermolumineszenz-Datierung.

 

Schema zum Grundprinzip der Dendrochronologie (Bild: J. Denkinger, Deutsches Archäologisches Institut)

Prospektionsmethoden

Zur Erkundung von archäologischen Stätten werden geophysikalische Methoden wie Bodenwiderstandsmessung, Geomagnetik und Georadar genutzt. Elektromagnetische Induktion (Metalldetektor) und Reflexionsseismik bieten je nach Bodenbeschaffenheit weitere Erkenntnisse zu unter der Erde liegenden archäologischen Strukturen.

 

Georadar (Foto: Eastern Atlas GmbH)